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Donnerstag, 5. Juli 2012

Wandern ist des Künstlers Last

Migration und Kunst

Von Florian Welle

Wenn Menschen migrieren, dann setzen ihre Erfahrungen Energien frei, die zu neuen Ideen führen. Wanderungen über nationale Grenzen hinweg haben die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts deutlich geprägt. Eine Tagung hat sich nun mit dieser Prägung befasst - und mit der Frage nach dem eigenen Rassismus.

Migration ist eines der zentralen Themen unserer Zeit und bestimmt gemeinsam mit Einwanderung und Integration mal mehr, mal weniger stark den politischen Diskurs. Debatten über Migration sind immer auch solche über die eigene Identität und die Frage: Was ist deutsch? In den sechziger und siebziger Jahren diskutierte man über Gastarbeiter und machte daraus ein "Türkenproblem". Die achtziger Jahre waren das Jahrzehnt des Asyls, Metaphern wie "Überflutung" und "Das Boot ist voll" prägten diese Zeit. Seit Mitte der neunziger Jahre sind es illegale Migranten, die nach weit verbreiteter Ansicht möglichst an den Rändern Europas gestoppt werden müssen. Damit einher geht eine Grenz- und Exklusionsmetaphorik.




Kinder ausländischer Arbeiter spielen vor einer Schule in Peking: Nicht nur die Identität des Einzelnen, auch die Kunst wird durch Migration geprägt. (© AFP)

Gleich mehrere Referenten der Tagung "Migration und künstlerische Produktion", die am Wochenende in München am Center for Advanced Studies stattgefunden hat, verwiesen in ihren Beiträgen zunächst auf diese entscheidenden Etappen im Umgang mit Migration in Deutschland, um sodann fast unisono für eine Entkoppelung der politischen Diskussion vom Tagungsthema einzutreten.
 
Die Münchner Kunsthistorikerin Burcu Dogramaci, die zu dem interdisziplinären Symposion eingeladen hatte, verwies gleich zu Beginn auf eine Arbeit der Künstlerin Claire Fontaine mit dem programmatischen Titel "Foreigners Everywhere" und deutete damit an, dass das Fremdsein im Grunde conditio humana ist. Auch für den Berliner Migrationsforscher Mark Terkessidis, der zuletzt mit seinem viel diskutierten Buch "Interkultur" tagesaktuell intervenierte, ist Migration eine "Normalerfahrung", die nicht immer wieder aufs Neue erklärt werden muss - im Kreise der Anwesenden, die wie Deniz Göktürk (Berkeley) und Ortrud Gutjahr (Hamburg) seit Jahrzehnten zum Thema forschen, schon gar nicht.

Stattdessen debattierte man die Frage, ob und in welcher Weise die Erfahrung von Aus- und Einwanderung die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts formal wie inhaltlich geprägt haben könnte. Ein noch junges Forschungsfeld.

Am Ende der Tagung standen mehr Fragen als konkrete Antworten im Raum. Man gewann den Eindruck, dass die Redner aus der Kulturanthropologie, aus Theater-, Filmwissenschaft und Kunstgeschichte das Thema überhaupt erst einmal für sich und ihre Disziplin in den Griff nehmen wollten. Während etwa die Geschichtswissenschaft mit dem stetig verfeinerten Konzept des "Kulturtransfers" mittlerweile über ein tragfähiges Rüstzeug verfügt, um herauszufinden, wie kulturelle Güter und geistige Strömungen von einem Land in ein anderes gelangen, fehlt ein solches offensichtlich noch in den genannten Fächern. Vielmehr war von biografischen Herangehensweisen bis zu diskursanalytischen Ansätzen alles vertreten.

Denkfigur der Leere
So hielt etwa die Hamburger Kunsthistorikerin Mona Schieren einen durchaus interessanten Vortrag über die amerikanisch-kanadische Künstlerin Agnes Martin und deren berühmte Rasterbilder. Diese sind vom Taoismus und der "Denkfigur der Leere" beeinflusst, und Schieren konnte zeigen, dass Agnes Martin Laotse in der Übersetzung von Witter Bynner gelesen hat.

Wenn aber der Vortrag "Zur Migration von Denkfiguren und transkulturellen Aneignungsprozessen" überschrieben ist, dann sollte man konkret der Frage nachgehen, wie repräsentativ Bynner für die damalige Zeit gewesen ist und wer außerdem den für die amerikanische Kunstszene der fünfziger Jahre prägenden asiatischen Diskurs über den Ozean getragen hat.

Den eigenen Rassismus untersuchen
Es gibt viele Formen der Migration. Menschen verändern ihren Lebensmittelpunkt nicht nur aus politischer, sozialer und wirtschaftlicher Not, sondern auch freiwillig, einfach aus Neugierde oder weil man es sich leisten kann. Der Südkoreaner Nam-June Paik, dem Mark Terkessidis unter anderem seinen Vortrag widmete, war solch ein Künstler. Wenn Künstler emigrieren, dann setzen ihre Erfahrungen, so der Tenor nicht nur von Terkessidis Beitrag, Energien frei, die zu neuen künstlerischen Ideen führen. Deshalb gibt es auch keine "Ästhetik der Migration", sondern höchstens "Ästhetiken". Darin waren sich am Ende alle einig.

Weniger einig war man sich, als es darum ging, Künstler wie Fred Wilson zu beurteilen. Dieser thematisiert das Schicksal von Migranten mit einem aufklärerisch-kritischen Gestus. Sehr flink waren da Teilnehmer mit ihrer Einschätzung bei der Hand, dessen Werke würden auch nur wieder mit "stereotypen, ethnisierenden Bildern des Fremden" arbeiten und keine wirklichen "Gegenbilder" produzieren. Sehr befreiend wirkten da Ortrud Gutjahrs provokative Einwürfe: "Mich interessiert, wie Stereotype funktionieren!" Und damit verbunden: "Für mich ist es spannender, meinen eigenen Rassismus zu untersuchen!"

SZ-Online


Turbo-Abi: SPD macht Front gegen "Zwangs-G8"

Rückkehr zu neun Jahren Gymnasium?

Ulm/Stuttgart - Turbo-Abitur nein, Diplom ja: Die baden-württembergischen und die bayerischen Genossen machen bei ihrem Ulmer Treffen bildungspolitische Aufschläge.


In Baden-Württemberg hat die SPD bereits durchgesetzt, dass an 44 Gymnasien das Abitur nach neun Jahren wieder möglich wird.

Die SPD-Fraktionen in Baden-Württemberg und Bayern haben das neunjährige Gymnasium noch nicht aufgegeben. Bei einem Treffen in Ulm vereinbarten die Fraktionschefs Claus Schmiedel (Baden-Württemberg) und Markus Rinderspacher (Bayern), mit einer Studie die konkreten Auswirkungen des Turbo-Abiturs in acht Jahren auf Familie, Vereine und bürgerschaftliches Engagement untersuchen zu lassen. “Das Zwangs-G8 hat bei vielen Familien dazu geführt, dass der Samstag zum heimlichen Schultag wird“, sagte Schmiedel. Seine SPD hat in Baden-Württemberg bereits durchgesetzt, dass an 44 Gymnasien das Abitur nach neun Jahren wieder möglich wird. Die Unions-geführten Regierungen hatten vor einigen Jahren in beiden Ländern das sogenannte G8 eingeführt.


Die oppositionelle Bayern-SPD will noch weiter gehen: “Wir in Bayern wollen die Oberstufe flexibler gestalten: Schüler sollen Lerninhalte mehr als bisher selbst wählen können und entscheiden, ob sie die Oberstufe in zwei oder drei Jahren durchlaufen wollen“, sagte Rinderspacher. Sein Stuttgarter Kollege Schmiedel dringt ebenfalls schon länger darauf, dass die starre Begrenzung von 44 Schulen aufgegeben wird, doch die Grünen sind dagegen.

Schneller Ausbau der Verkehrsachsen in Süddeutschland


In ihrer “Ulmer Erklärung“ sprechen sich Schmiedel und Rinderspacher außerdem dafür aus, zu prüfen, ob in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern wieder ein Diplom eingeführt werden kann. Das würde bedeuten, dass diese Fächer aus dem Bologna-Prozess mit der Umstellung der Studiengänge auf die Bachelor-Master-Struktur herausgenommen werden müssen. Hintergrund ist aus SPD-Sicht, dass die Übergangsquoten von den Bachelor- in die Masterstudiengänge in diesen Fächern so hoch sind, dass dies auf Dauer zu teuer werde.

Die SPD-Fraktionen forderten zudem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu mehr Tempo beim Ausbau der Verkehrsachsen in Süddeutschland auf. Der Bund müsse den wichtigen West-Ost-Verbindungen finanziell und zeitlich Vorrang einräumen. “Der Bund muss seine Gelder künftig dort konzentrieren, wo der Druck am größten ist“, sagte Schmiedel. Der dringend nötige Ausbau der Autobahn 8 stocke vor allem beim Albaufstieg. Die Fraktionen dringen zudem darauf, dass bald die neue ICE-Strecke zwischen Ulm und Augsburg angegangen wird.
dpa






Mittwoch, 4. Juli 2012

Den digitalen Graben überwinden

Gescheitertes Acta-Abkommen
Ein Kommentar von Dirk von Gehlen



Das Anti-Piraterie-Abkommen Acta ist im Europäischen Parlament gescheitert. Die digitale Zivilgesellschaft hat ihren Protest gegen eine Politik der Vergangenheit erfolgreich auf die Straße getragen hat. Jetzt muss die Politik endlich Schlüsse aus der neuen Lebensrealität ziehen und mit den Kritikern Lösungen für ein modernes Urheberrecht finden.


Um zu verstehen, welche Folgen sich aus der heutigen Abstimmung im Europaparlament über das Handelsabkommen Acta ergeben, könnte man europäische und deutsche Urheberrechtstexte wälzen, man könnte den Lauf von Verhandlungen multilateraler Abkommen recherchieren - oder man sucht einfach einen Song der Hamburger Band Deichkind heraus.



Er trägt den Titel "Illegale Fans" und ist so etwas wie der Soundtrack zum illegalen Downloaden. Dessen Eindämmung hatte Acta unter anderem zum Ziel - mit unverhältnismäßigen Mitteln wie die zahlreichen Kritiker bemängeln, die Anfang des Jahres zur Überraschung der breiten Öffentlichkeit auf die Straße gingen. Ihrer Meinung nach hätte es Acta ermöglicht, Privatpersonen wegen Kopierens einer CD zu belangen oder es den Zollbehörden erlaubt, private Laptops zu durchsuchen.

Der Deichkind-Song handelt nicht von Provider-Haftung oder von härterer Rechtsdurchsetzung, er beschreibt vielmehr wie die illegale Nutzung von Tauschbörsen für eine wachsende Bevölkerungsgruppe zum popkulturellen Distinktionsmerkmal geworden ist. Weil ihre Lebensrealität kriminalisiert wird, reagieren sie mit Protest: "Keine Macht für niemand", heißt es in Anspielung auf den Ton Steine Scherben-Klassiker, "Wir werden uns nicht stellen. Ihr seid das Imperium, wir sind die Rebellen."


Digitaler Graben
Die Debatte um ein zukunftsfähiges Urheberrecht ist mittlerweile so verfahren, dass Bands bereits Songs darüber schreiben, die illegales Downloaden zum Kriterium für Coolsein erheben. So klingt es also, wenn man den digitalen Graben, der die Gesellschaft durchzieht, beständig ignoriert und den Herausforderungen der Zukunft lediglich die Rezepte der Vergangenheit entgegenzusetzen hat.

Es zählt zu den zahlreichen Paradoxien des digitalen Raums, dass Deichkind diesen Song übers illegale Downloaden sehr legal verkaufen - und nicht wenige Menschen ihr Album "Befehl von ganz unten" auch käuflich erworben haben. Sie treffen damit aber offenbar eine Stimmung, die sich bei den Anti-Acta-Demonstrationen Anfang Februar europaweit ausdrückte: der Widerstand gegen die Politik der Rechtsdurchsetzung der vergangenen Jahre, die im Fall von Acta von vielen als einseitiges Klüngeln großer Lobbygruppen wahrgenommen wurde.
Die Geheimverhandlungen zu Acta bestätigten ihnen den Eindruck, dass demokratische Spielregeln missachtet wurden, um einseitig Interessen durchzusetzen.

Urheberrechtsbruch als Coolness-Faktor
Die Reaktion der "Illegalen Fans": Sie erheben den Bruch urheberrechtlicher Spielregeln selber zum Coolness-Faktor. Sie erfreuen sich daran, auch bei Androhung noch härtere Strafen nicht greifbar zu sein und verlieren dabei die letzte Einsicht in die Notwendigkeit eines funktionierenden Urheberrechts. Angesehene Juristen wie Axel Metzger von der Uni Hannover fordern deshalb schon lange, "Druck aus dem Kessel zu nehmen" und die Politik der einseitigen Rechtsdurchsetzung zum Beispiel durch pauschale Abgabemodelle abzulösen. Alles andere würde die schwindende Einsicht ins Urheberrecht nur weiter minimieren.


Die heutige Entscheidung des Europaparlaments gegen Acta muss in diesem Zusammenhang als Hoffnungszeichen gewertet werden. Sie ist der Beweis dafür, dass demokratische Spielregeln sehr wohl gelten und sie ist die Aufforderung an alle gesellschaftlichen Gruppen, jetzt nach Lösungen zu suchen, diese Spielregeln im Urheberrecht auf eine legitimierte Grundlage zu stellen.


Kultureller Schaden
Dazu gehört zunächst, den illegalen Fans zu zeigen, dass in der Illegalität kein Zauber liegt, sondern kultureller Schaden. Das kann aber nur dann gelingen, wenn man die Auslöser für die vermeintliche Illegalität versteht. Man muss die Beweggründe und die Lebensrealität derjenigen anerkennen, die gegen Acta aufbegehrt haben - und daraus Schlüsse ziehen.


Spätestens mit dem heutigen Tag betritt ein Spieler die europäische Bühne, auf den sich die Politik erst einstellen muss: Die digitale Zivilgesellschaft hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie eine gewichtige Stimme in der Debatte um die Folgen der Digitalisierung ist.
Daraus erwächst jetzt auch einen gewichtige Verantwortung. Sie darf sich nicht dem Reflex hingeben, den die Band Deichkind nutzt. Es geht um mehr als darum, eine gesellschaftliche Stimmung zu bedienen. Es geht darum, Lösungen für ein Urheberrecht zu finden, das eine angemessene Vergütung sicherstellen kann, aber eben auch anerkannt wird von der Bevölkerung.


SZ-Online







Mittwoch, 27. Juni 2012

Einwanderer starten Aufholjagd


Regierungsbericht
Die Zahl der Schulabbrecher sinkt, immer öfter gehen Einwandererkinder in eine Kita, immer mehr machen Abitur: Im Bildungswesen zeichnet sich laut Ausländerbericht der Regierung eine Aufholjagd ab. Auf dem Arbeits -und Ausbildungsmarkt allerdings ist die Lage verheerend.

Berlin - "Deutschland schafft sich ab" - mit diesem provokanten Buchtitel sorgteThilo Sarrazin vor zwei Jahren für Aufregung. Nun gibt es neue Fakten zum Stand der Integration in Deutschland. Auf mehr als 650 Seiten hat die Bundesregierung in ihrem 9. Bericht über die "Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" Zahlen und Studien zusammengestellt.
Wie leben Deutschlands Migranten? Was lernen sie, auf welche Schulen gehen sie, wie viel Geld haben sie? Engagieren sie sich in der Gesellschaft? Und: Gibt es immer noch die großen Unterschiede zwischen den "Urdeutschen" und den "Migranten"?
Fest steht: Die apokalyptischen Sarrazin-Thesen lassen sich anhand des Berichts nicht belegen. Im Gegenteil: Von einem Aufholen der Einwanderer ist in dem Bericht von Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) die Rede. Die wichtigsten 
Ergebnisse der Studie im Überblick:



Bevölkerung: Die Zahl der Einwanderer, die in Deutschland leben, ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. 2010 kamen in Deutschland 15,7 Millionen Menschen aus einer Zuwandererfamilie (100.000 mehr als im Jahr 2008). Die größte Zuwanderergruppe stellen nach wie vor Menschen aus der Türkei. Die meisten Migranten haben die deutsche Staatsbürgerschaft, und die Zahl der Einbürgerungen ist im Berichtszeitraum wieder gestiegen: Nachdem sie im Jahr 2008 auf 94.470 gefallen war, stieg sie 2009 auf 96.122 und 2010 weiter auf 101.570.

Altersstruktur: Zuwanderer sind im Schnitt deutlich jünger - ihr Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren (statt bei 45,9 Jahren in der deutschen Mehrheitsgesellschaft). Bei den unter fünfjährigen Kindern haben in Deutschland mehr als ein Drittel einen Migrationshintergrund - ihr Anteil steigt immer weiter. Besonders viele kleine Kinder aus Einwandererfamilien leben in den Großstädten.

Zuwanderung: Im Jahr 2011 sind insgesamt rund 240.000 Menschen mehr aus dem Ausland zugezogen als ins Ausland abwanderten. Laut dem Bericht konnte zuletzt im Jahr 2001 ein vergleichbar hoher Zuzug festgestellt werden. Als Grund dafür wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit seit Mai 2011 für Bürger aus den acht Ländern, die 2004 der EU beigetreten sind, genannt. Aber auch die Euro-Krise spielt eine Rolle. So kamen im Jahr 2011 deutlich mehr Einwanderer aus Griechenland und Spanien nach Deutschland als im Jahr 2010.

Kitas und Kindergärten: Immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund besuchen Kindertagesstätten. Die Betreuungsquote der Kinder aus Einwandererfamilien ist zwischen 2008 und 2011 um 53 Prozent gestiegen (von 9,1 auf 14 Prozent). Bei Kleinkindern ohne Migrationshintergrund beträgt die Steigerung 39 Prozent - von ihnen besuchten 2011 30 Prozent eine Krippe. Ein großes Problem bei der frühkindlichen Förderung: Es gibt eine starke Segregation. Viele Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, gehen auch in eine Kita, in der die meisten Kinder ebenfalls aus anderssprachigen Elternhäusern kommen. Im Kindergartenalter zwischen drei und sechs Jahren wird auch der Großteil der Kinder aus Einwandererfamilien nicht zu Hause betreut - auch hier ist die Quote in den vergangenen drei Jahren noch gestiegen. 2011 gingen 85 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund in einen Kindergarten und 97 Prozent der Kinder aus Familien, die aus Deutschland stammen. Die Zahlen sind in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich: So sind in Hamburg und Schleswig-Holstein die Unterschiede zwischen Migranten und aus Deutschland stammenden Kindern am größten.

Schule: "Schrittweise nähern sich die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund jenen ohne Migrationshintergrund an", heißt es in dem Bericht. Der Anteil der ausländischen Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, sank von 2004 bis 2010 um 39 Prozent - ist aber trotzdem mit 12,8 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den deutschen Schülern. In dem Bericht werden in diesem Punkt allein Ausländer und Deutsche unterschieden, weil in der Schulstatistik nur Nationalitäten erfasst werden - unabhängig vom Migrationshintergrund. Noch immer gibt es starke Unterschiede in den Schulformen. Überproportional viele Ausländer (33 Prozent, bei den Deutschen 12 Prozent ) gehen auf eine Hauptschule - ihr Anteil an den Gymnasiasten ist mit gut einem Viertel weit unterdurchschnittlich. Aber in der Mitte treffen sich beide Gruppen: Die Verteilung auf der Realschule hat sich angeglichen. Und: Der Anteil der ausländischen Schüler, die Abitur oder Fachabitur machen, ist zwischen 2005 und 2010 deutlich gestiegen, um insgesamt 36 Prozent. Bei den Nationalitäten gibt es große Unterschiede: Schüler, die aus Russland stammen, sind unter den Migranten am häufigsten auf einem Gymnasium - am schlechtesten stehen bildungsmäßig türkische und italienische Schüler da. Vor allem die soziale Herkunft ist dem Bericht zufolge hierfür entscheidend.

Ausbildung: Eine Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist dem Bericht zufolge noch nicht erreicht - trotz der guten Entwicklungen bei der Schulbildung. Ende Dezember 2010 lag der Ausländeranteil an allen Auszubildenden bei nur 5,1 Prozent - obwohl die Ausländerquote bei den 15 bis 24 jährigen insgesamt 10,6 Prozent beträgt. Jungen Migranten gelingt es nach wie vor deutlich seltener als Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, nach der Schule eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, so der Bericht. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass Arbeitnehmer bei Einstellungen immer noch häufig pauschal über die Gruppe der Migranten urteilten. So werde etwa ein niedriger Schulabschluss in Verbindung mit weniger Leistungsfähigkeit und Motivation gebracht. "Problematisch ist, dass diese Eigenschaften dann der gesamten Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zugeschrieben werden, da sie wesentlich häufiger über eine geringe schulische Qualifikation verfügen als diejenigen ohne Migrationshintergrund", so der Bericht . Dramatisch bleibt: Immer noch hatten im Jahr 2010 fast ein Drittel der Migranten im Alter von 25 bis unter 35 Jahren keinen Berufs- oder Hochschulabschluss - dreimal so viele wie bei den Gleichaltrigen, deren Familien aus Deutschland stammen. Dagegen hat sich die Zahl der ausländischen Hochschulabsolventen in Deutschland seit Ende der neunziger Jahre mehr als verdreifacht.

Arbeitslosigkeit: Migranten sind immer noch deutlich häufiger arbeitslos als die Gesamtbevölkerung. Zwar sank im Zeitraum 2005 bis 2010 die Arbeitslosenquote bei Einwandern insgesamt sehr deutlich von 18,1 Prozent auf 11,8 Prozent (im Vergleich: in der Gesamtbevölkerung von 11,3 Prozent auf 7,1 Prozent). Am häufigsten sind Migranten ohne deutschen Pass ohne Job - aber auch hier gibt es leichte Verbesserungen. Bei Ausländern ging die Arbeitslosigkeit von 2010 bis 2011 von 18,2 auf 16,9 Prozent zurück. Aber: Insgesamt konnten Migranten von der guten Konjunkturentwicklung weniger profitieren als Arbeitnehmer aus deutschen Familien - der Abstand zwischen beiden Gruppen wird immer größer.


Armut: Das Armutsrisiko ist bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund dreimal höher. Einwanderer müssen laut Bericht mehr als doppelt so häufig von einem geringen Einkommen leben als Personen ohne Migrationshintergrund (26,2 Prozent gegenüber 11,7 Prozent). Im Jahr 2010 mussten mehr als 60 Prozent der Familien mit Migrationshintergrund mit weniger als 2600 Euro im Monat auskommen. Bei Familien ohne Migrationshintergrund waren es 44 Prozent.

Kriminalität: Auch neue Zahlen über Kriminalität bei Ausländern gibt es in dem Bericht - sie sind allerdings den Autoren zufolge wenig aussagekräftig. So stieg 2010 der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen im Vergleich zum Vorjahr von 21,1 Prozent auf 21,9 Prozent. Die Zahl der nichtdeutschen Verurteilten stieg 2010 minimal von 169.315 auf 169.667. Daraus zu schließen, dass in Deutschland lebende Ausländer deutlich häufiger kriminell würden, sei aber unzulässig, heißt es in dem Bericht - denn es würden auch Durchreisende, Touristen, Grenzpendler und Illegale in der Kriminalstatistik erfasst. Außerdem heißt es in dem Bericht: Ausländern seien "im Vergleich zur deutschen Wohnbevölkerung deutlich jünger und der Anteil von Frauen ist geringer. Sie leben vermehrt in Großstädten, gehören eher unteren Einkommensschichten an, das Bildungsniveau ist insgesamt deutlich niedriger, die Arbeitslosigkeit hingegen höher. Diese Faktoren begünstigen eher kriminelles Verhalten."



Donnerstag, 7. Juni 2012

Mythos Almanya – Aufbruch ins Gelobte Land



Ein Buchvortrag von dem Autor Eyyup Avci, der 1963 in der anatolischen Kommagene geboren ist und seit 1976 in Deutschland lebt. Die Erzählungen über Almanya waren fassettenreich, insbesondere für die Ohren der anatolischen Kinder klangen sie so mythisch, dass viele von ihnen an ein bezauberndes Märchenland hinter den sieben Bergen glaubten. Neben den fürchterlichen Erzählungen gab es auch gute Sachen zu hören. So begaben sich einige von Ihnen dorthin, um den süßen Traum in Mythos Almanya für sich zu entdecken.


Eyyup Avci wurde 1963 in der anatolischen Kommagene geboren und emigrierte 1976 mit seinen Eltern und Geschwistern ins Titel gebende Gelobte Land (Deutschland). Der verheiratete Vater zweier Kinder lebt heute als freier Autor in München und engagiert sich für den interkulturellen Dialog sowie das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ethnien und Kulturen seiner Hei-matstadt.
Thema des Abends ist: „Mythos Almanya – Aufbruch ins gelobte Land“
Die Moderation übernimmt Isa Güzel (Vorstandsvorsitzender IDIZEM e.V.).
Im Anschluss an die Veranstaltung möchten wir Sie zu einem Umtrunk einladen.
Wir freuen uns, Sie am Veranstaltungsabend begrüßen zu dürfen.

am Mittwoch, den 20. Juni 2012um 19.00 – 21.00 Uhr im Literaturhaus MünchenSalvatorplatz 1

Montag, 2. April 2012

Türkisch für Anfänger

Ein hessischer Schüler rührt in Ankara ein Millionenpublikum mit einem Gedicht – in einer Sprache, die er nicht versteht. Hinter der Türkischolympiade steckt eine muslimische Massenbewegung.







Nico hat seinen Auftritt am zweiten Tag gegen Mittag, gleich nach einem sehr blonden Mädchen, das Norwegen vertritt. Emotional soll er sein, hat man ihm gesagt. Das mögen die Türken. Deshalb hebt Nico jetzt die rechte Hand ans Herz. Er geht in die Knie und deklamiert die Strophen, die er wieder und wieder geübt hat. Von Blumen ist darin die Rede und von der Sehnsucht nach Heimat, die man nur in der Fremde verspürt. Was er genau vorträgt, versteht Nico freilich nicht. Schließlich kann er bis auf ein paar Brocken gar kein Türkisch. Nur dass sein Gedicht die Herzen rühren kann, weiß der Zwölfjährige. Als er es das letzte Mal vor Publikum vortrug, flossen Tränen.
Ein hessischer Junge, der auf Türkisch Verse vorträgt, obwohl er die Sprache nicht spricht. Ein modernes Megaevent, das jedes Jahr in der Türkei Millionen Zuschauer mit traditionellen Gedichten und Volksliedern begeistert. Ein weltweites muslimisches Bildungsnetzwerk, das offiziell weder einen Namen noch eine Adresse besitzt: Es ist eine eigenartige Geschichte, die Nico Weber, einen Realschüler aus Deutschland, auf eine Bühne in die Türkei verschlagen hat. Ihm selbst kommt sie bis heute vor wie ein orientalisches Märchen.
Diese Geschichte spielt in Gießen und Stuttgart, in Ankara und ein bisschen auch im amerikanischen Pennsylvania. Hier lebt ein Korangelehrter namensFethullah Gülen, der in seinen Schriften ein islamisches Gutmenschentum predigt – und die größte muslimische Bildungsbewegung der Welt begründet hat. Dazu gehört auch die »Internationale Türkischolympiade«, bei der Nico gegen Jugendliche aus der ganzen Welt antritt. Sie alle kämpfen um den Titel des besten Interpreten türkischen Kulturguts.
Weder Nico noch seine Eltern haben von Fethullah Gülen jemals gehört. Ohnehin hatten sie bis vor einiger Zeit – bis auf einen Badeurlaub – nichts mit der Türkei zu tun. Sie kannten nur Abdurahman. Abdu, wie er genannt wird, geht mit Nico gemeinsam in eine Klasse. Er ist sein bester Freund. Eines Tages fragte Abdu, ob Nico nicht bei einer »Türkischolympiade« mitmachen wolle. Seit 2003 gibt es diesen internationalen Wettbewerb, eine Art »Die Türkei sucht den Superstar« der Volksmusik. Neben türkischstämmigen Teilnehmern aus dem In- und Ausland gehen auch immer Nichtmuttersprachler aus der ganzen Welt ins Rennen.
Abdu schien die Sache irgendwie wichtig zu sein. Und so sagte Nico zu. Ein türkisches Heimatgedicht wurde ausgesucht, und Nico lernte die fremden Verse auswendig. Er übte die Betonungen, trainierte, seine Worte mit pathetischen Gesten zu unterstreichen – und schlug die Mitbewerber bei der Regionalentscheidung in Gießen aus dem Feld.
Vielleicht war es seine überraschend gute Aussprache, vielleicht die Art, wie der sonst eher schüchterne und verträumte Junge auf der Bühne aus sich herauskommt: Auch bei der nationalen Ausscheidung in Paderborn konnte er die Jury in seiner Kategorie überzeugen. Er gewann einen iPod, einen Laptop sowie die Einladung, für zwölf Tage zur Endrunde in die Türkei zu fliegen. »Da wurde uns das erste Mal etwas mulmig«, sagt Claudia Weber, Nicos Mutter.
Die Dimension des Unternehmens erahnen die beiden jedoch erst, als sie in Ankara ankommen. Schon am Flughafen begrüßen sie riesige Plakate: »Willkommen zur Internationalen Türkischolympiade«. Unzählige Busse und Privatwagen warten auf die Delegationen, die aus allen Ecken der Welt angereist sind. Türkische Kopftuchträgerinnen mischen sich unter Afrikanerinnen mit Rastalocken. Mexikaner tragen Riesensombreros, schmale Thaimädchen goldene Kronen. Eine bunt gewandete Truppe aus Südafrika geht an einem Bildschirm vorbei und kreischt auf: Gerade sieht sie ihre Ankunft auf dem Flughafen im Fernsehen.
Was vor knapp zehn Jahren als Zusammenkunft türkischer Auslandsschulen mit einigen Dutzend Teilnehmern begann, ist zu einem nationalen Großereignis angewachsen. Die Medien berichten jeden Tag, zur Eröffnungsveranstaltung und zur Abschluss-Show erscheint das halbe türkische Kabinett. In der Woche dazwischen werden die Olympioniken per Bus und Flugzeug in die größten Städte des Landes befördert, um dort die Sportstadien mit ihren Folkloredarbietungen zu füllen.
Keiner der Teilnehmer muss für Flüge, Unterkunft oder Verpflegung bezahlen. Der Wettbewerb finanziert sich vor allem über Spenden – und die meisten Helfer arbeiten für umsonst. Oder besser gesagt: für Gotteslohn. Nico und seine Mutter zum Beispiel fährt ein Geschäftsmann aus der Baubranche in seinem Privatwagen ins olympische Dorf und lädt sie auch gleich noch zum Essen ein.
Der Grund für seine Freundlichkeit ist hizmet. So nennen die Gefolgsleute von Olympiade-Gründer Fethullah Gülen ihren Dienst an der Gesellschaft. Der türkische Prediger interpretiert den Islam als Religion der guten Tat. Der Mensch soll sein Schicksal nicht passiv im Gebet erdulden, sondern die Welt zum Besseren verändern, egal, ob als Lehrer oder Unternehmer, Journalist oder Ingenieur.
Der heute 70-jährige Gottesmann hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eine muslimische Massenbewegung inspiriert. In der Türkei sollen über zehn Millionen Menschen seiner Botschaft folgen. Ein Medienimperium mit der größten Tageszeitung des Landes (Zaman) an der Spitze verbreitet dort seine Ideen. Darüber hinaus betreibt »die Bewegung«, wie sie sich nennt, Banken, Hotels und Krankenhäuser.
Die Gruppierung sei »sehr groß, sehr stark und sehr reich«, schreibt die amerikanische Soziologin Helen Rose Ebaugh, deren Studie über die Bewegung gerade auf Deutsch erschienen ist. Zehn Prozent ihres Einkommens stiften viele Anhänger Gülens einer guten Sache. Weltweit kommen dabei riesige Summen zusammen.
Das meiste Geld fließt in Bildungsprojekte. Mehr als tausend Oberschulen und Dutzende Universitäten haben Gülen-Anhänger weltweit gegründet, unter anderem auch in Berlin, Mannheim und Köln. Wann immer Türken irgendwo auf der Welt ein Gymnasium, einen Kindergarten oder eine Nachhilfeeinrichtung eröffnen, ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ihn zurückzuführen: den Hoçaeffendi (»verehrten Lehrer«), dessen bekannteste Parole »Baut Schulen statt Moscheen« lautet.
Die meisten Teilnehmer der Türkischolympiade sind – anders als Nico – Schüler der Gülen-Schulen. Am ersten Abend haben sie im Ankaraer Altn-Park, einem Freizeitareal in der türkischen Hauptstadt, ihren ersten großen Auftritt. Heute Abend sollen sie zeigen, was ihr Land ausmacht. Tausende jubeln, als die 130 Delegationen in landestypischer Kleidung auf die Freilichtbühne stürmen. Darunter ein blonder Junge in Lederhosen: Nico. Drei Fernsehsender berichten live.
Sie zeigen einen internationalen Musikantenstadl. Jugendliche Russen tanzen Kasatschok, aus den USA gibt es Cowboysongs. Anatolische Liebeslieder, vorgetragen von jungen Afrikanerinnen, kommen am besten an. Der Moderator, ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen, beschwört mit pathetischer Stimme »Völkerverständigung«, »Dialog« und »Frieden zwischen den Menschen«, eine der Hauptbotschaften Fethullah Gülens.
Dessen Name jedoch taucht bei der Türkischolympiade – wie auch in den Schulen der Bewegung – an keiner Stelle auf, geschweige denn seine Schriften oder gar sein Bild: das lächelnde Großvatergesicht mit dem Schnauzbart. Nur einmal sendet Ankaras Bürgermeister dem »verehrten Lehrer« wie beiläufig einen Gruß in die USA. Die Menschen danken es ihm mit frenetischem Beifall.
»Gülen inspiriert uns, viele von uns sind sehr gläubig. Aber mit Religion hat die Türkischolympiade nichts zu tun«, versichert Taner Ünal von »Academy«. Der Verein koordiniert die Bildungsaktivitäten der Bewegung in Deutschland. Von Frankfurt aus gibt er Organisationshilfe bei der Gründung neuer Schulen, vermittelt Lehrer, erstellt Unterrichtsmaterial. Zugleich organisiert Academy den Wettbewerb in Deutschland – wozu es sich wiederum auf Mitarbeiter aus den anderen Einrichtungen der Bewegung verlassen kann. Auf Freiwillige wie Ufuk Karakoz zum Beispiel. Der Zwanzigjährige ist ein schmaler, gut frisierter junger Mann mit fast altmodisch korrekten Manieren und einem Flaum auf der Oberlippe. Sieht man ihn neben Nico, könnte man ihn fast für einen Klassenkameraden halten. Dabei war er für ein halbes Jahr sein Türkischlehrer. Einmal die Woche, am Ende öfter, bereiteten die beiden Nicos Auftritte vor. Von Religion sei kein einziges Mal die Rede gewesen, sagen beide.
Ufuk war ein guter Lehrer, der viel lobte und auch dann nicht die Geduld verlor, wenn Nico nach 90 Minuten von den fremden Versen der Kopf schwirrte. Meist trafen sich die zwei im Optimum, einem Nachhilfezentrum in Gießen. Hier machen Schüler – die meisten stammen aus Migrantenfamilien – Hausaufgaben und bereiten sich auf Klausuren vor. Rund 140 solcher Einrichtungen zählt die Bewegung in Deutschland. Auch Ufuk hat in einem solchen Verein in Berlin Förderstunden in Mathe und Deutsch bekommen. Ohne sie hätte er sein Abitur wohl nicht bestanden. Nun studiert er auf Lehramt und gibt seine Erfahrungen bei Optimum weiter: als Nachhilfekraft und Jugendbetreuer. Mit seiner Gruppe geht er Fußball spielen oder ins Museum. Auch Abdu ist dabei, Nicos Freund aus der Schule.
In Deutschland hat man den Wettbewerb vor drei Jahren umbenannt. Türkischolympiade hörte sich zu nationalistisch an. Es klang nach Abschottung. Nun heißt es Deutsch-türkische Kulturolympiade. Bei der Abschlussveranstaltung in der Porsche-Arena in Stuttgart moderierte man erstmals zweisprachig. Und neben dem Türkischwettbewerb gab es nun auch einen Deutschwettbewerb.
In Stuttgart trat Guten Abend, gut’ Nacht gegen Heidi an, gesungen von Schülern aus Migrantenfamilien. Jugendliche trugen die Mephisto-Szene aus Goethes Faust vor. Und Mütter mit Kopftuch schwenkten die deutsche Fahne. Die anwesende einheimische Politprominenz zeigte sich beeindruckt von solch beflissener politischer Korrekt-heit. SPD-Landeschef Nils Schmid fand lobende Worte auf Tür- kisch. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) sprach von einem »wunderbaren Beispiel der Integration«.
Die Organisatoren vernahmen es mit Wohlgefallen. Anders als die meisten islamischen Gruppierungen, die dem deutschen Staat misstrauisch gegenüberstehen, sucht die Bewegung bewusst seine Nähe. Und nichts freut die Gülen-Anhänger mehr, als alles richtig zu machen. Sie agieren äußerst anpassungsfähig, sind lernbegierig und von fast preußischer Zuverlässigkeit und Disziplin. Wie in der Türkei stammen viele deutsche »Fethullahçis« aus einfachen Familien. Mit Bildungseifer und Pflichtbewusstsein haben sie sich hochgearbeitet. Statt über Diskriminierung zu klagen, fragen sie eher, was sie besser machen können. Gäbe es einen Wettbewerb »Deutschland sucht den Mustermuslim« – der Sieger wäre ein Gülen-Anhänger.
Bei der Türkischolympiade in Ankara repräsentieren sie ihr Land an einem Stand mit einer ICE-Modelleisenbahn. Geduldig umkurvt sie Gartenzwerge, Kuckucksuhren und Vereinsembleme aus der Fußballbundesliga. Poster von Einstein, Cem Özdemir und Mesut Özil schmücken die Stellwände. Den Besuchern der Völkerschau – wieder sind es weit über hunderttausend – scheint das zu gefallen. In riesigen Trauben drängen sie sich vor dem deutschen Stand. Sie bestaunen kleine Automodelle der bekannten Marken aus Wolfsburg und Stuttgart, setzen sich Schultüten aus der Deutschland-Deko auf den Kopf, weil sie sie für Hüte halten, und machen Fotos.
Besonders Nico hat es ihnen angetan. Er hat unter leichtem Protest noch einmal seine Lederhosen angezogen. Immer wieder muss er in Handykameras lächeln. Nach zwei Stunden ist er genervt. In der Halle ist es heiß, das Deutschland-Repräsentieren zehrt an den Kräften. Inzwischen weiß Nico, dass er nicht zu den Siegern gehören wird. Die norwegische Konkurrentin war wohl besser. Dennoch rafft er sich noch einmal auf, sein Gedicht auf einer der vielen Messebühnen vorzutragen. Als die Hintergrundmusik erklingt, fällt die Müdigkeit von ihm ab. Plötzlich ist er ganz locker. Das Publikum jubelt und fordert eine Zugabe. Wenn ihn doch nur Ufuk sehen könnte, sein Lehrer! Er konnte wegen mehrerer Uni-Klausuren nicht mit in die Türkei. Aber täglich hat er angerufen. Er wäre jetzt sehr zufrieden mit seinem Schüler.
Mittlerweile laufen die Vorrunden zur Zehnten Olympiade. Statt zwölf Regionalwettbewerbern sind es in diesem Jahr vierzehn, statt 6000 Besuchern wie in Stuttgart hofft man in Frankfurt zur Endausscheidung in der Messefesthalle auf 8000. Auch die Kanzlerin hat natürlich wieder eine Einladung bekommen, wie alle anderen Mitglieder des Kabinetts. Sie wird wie in den Jahren zuvor wieder absagen.
Dafür wird Nico wohl dabei sein. Die fremde Sprache hat er nicht weitergelernt. Der Ausflug in die türkische Welt aber ist ihm für immer in Erinnerung geblieben. Von türkischen Ladenbesitzern in Gießen wurde er angesprochen; sie hatten ihn aus dem Fernsehen wiedererkannt. Sein Schulleiter kam in den Unterricht, um ihn zu beglückwünschen. Auch seine Mitschüler fanden es irgendwie cool. In Frankfurt ist für ihn bereits ein Platz im VIP-Bereich reserviert.
Quelle: Die Zeit



Dienstag, 27. März 2012

Nichts ist unpolitisch


Buchvorstellung und Diskussion mit der Religionssoziologin Helen Rose Ebaugh


Der Theatersaal im Münchner Amerikahaus war bis auf den letzten Platz besetzt, als die amerikanische Soziologin Helen Rose Ebaugh am Samstag, dem 24. März ihre empirische Studie zur Gülen-Bewegung vorstellte. Ziel der in den 1960er Jahren von Fethullah Gülen ins Leben gerufenen Bewegung ist, sozial benachteiligten jungen Menschen durch Bildung neue Perspektiven zu bieten. Weltweit wird die Gülen-Bewegung von über zehn Millionen Menschen meist türkischer Herkunft unterstützt und unterhält Einrichtungen in etwa 120 Ländern. Auch in Deutschland, wo die Bewegung, die sich selbst Hizmet (Dienst) nennt, nicht unumstritten ist, betreibt sie mehrere Schulen. Immer wieder jedoch sieht sich die Bewegung mit dem Vorwurf konfrontiert, eine geheime islamistische Agenda zu verfolgen.

Ebaugh hingegen sieht die Gülen-Bewegung durchweg unkritisch. In ihrer fünfjährigen Forschungsarbeit beschäftigte sie sich schwerpunktmäßig mit den beiden Fragen "Woher kommen die finanziellen Mittel der Gülen-Bewegung?" und "Was motiviert die Freiwilligen zu ihrem großen Engagement?". Bei Forschungsreisen führte sie Interviews mit 103 Unterstützern aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Die Frage nach dem Ursprung der finanziellen Mittel sei schnell beantwortet gewesen, erzählt Ebaugh. So sei es bei Unterstützern üblich, zwischen 5 und 20 Prozent des Jahreseinkommens zu spenden. Und da sich viele erfolgreiche Geschäftsmänner unter ihnen befinden, betragen die Spenden oft auch mehrere Millionen. Diese gute finanzielle Ausstattung erlaube es der Gülen-Bewegung, ihre zahlreichen Bildungseinrichtungen gut auszustatten und Jugendlichen, die sonst wenig Chancen hätten, eine exzellente Ausbildung zu ermöglichen.

Die große Motivation der Mitglieder sieht Ebaugh unter anderen in der horizontalen netzwerkähnlichen Organisation der Bewegung, die sich aus vielen kleinen, hoch motivierten Gruppen von etwa 10 bis 15 Mitgliedern zusammensetzt. Ebaugh schildert die Gülen-Bewegung als moderat islamisches Netzwerk ohne konkrete politische Ziele, die von Zielen und Beweggründen her mit vielen religiösen Bewegungen anderer Glaubensrichtungen vergleichbar sei. Die drei Alleinstellungsmerkmale seien lediglich, dass sie ihren Ursprung in der Türkei habe, dass sie islamisch sei und ihre Organisation horizontal organisiert. Aufgrund dieses Fehlens jeglicher hierarchischer Strukturen sei es auch so schwierig, konkrete Angaben über Aktivitäten und Unterstützer zu erhalten – was in der Öffentlichkeit oft als fehlende Transparenz bemängelt würde.

Im Anschluss an den Vortrag Ebaughs wurde bei den Fragen des Publikums unter anderem der Vorwurf, die Gülen-Bewegung betreibe intensive politische Meinungsbildung angesprochen. Ebaugh räumte unter dem Stichwort "nothing ist non-political" ein, dass eine derart große und reiche Bewegung natürlich das Potenzial habe, politisch aktiv zu werden. Jedoch bekräftige sie, dass sie derzeit keinerlei Anzeichen für eine politische Aktivierung sehe. Vielmehr sei es Ziel der Gülen-Bewegung, durch gute Bildung aller Bürger die Grundlage für eine starke Demokratie zu schaffen.




Helen Rose Ebaugh ist Professorin für Religionssoziologie und Erforschung der Weltreligionen an der University of Houston. Ihr 2009 in den USA veröffentlichtes Buch , in dem sie anhand von Interviews und Besuchen vor Ort die Gülen-Bewegungbeschreibt, erschien 2012 unter dem Titel "Die Gülen-Bewegung – Eine empirische Studie" auf Deutsch.


Das Interkulturelle Dialogzentrum e. V. (IDIZEM) engagiert sich seit 2001 in München und Umgebung für den Dialog der Kulturen und Religionen. Für sein Engagement wurde IDIZEM im Jahre 2006 mit dem Ökumeneförderpreis und im Jahre 2007 mit dem Preis „Münchner Lichtblicke“ ausgezeichnet.

Sonntag, 25. März 2012

Soziologin: „Gülen-Bewegung muss Rolle der Frau neu definieren“

Die amerikanische Soziologin Helen Rose Ebaugh hält die Gülen-Bewegung für eine ungefährliche Bewegung. Die Bewegung habe sich auf die Förderung von Bildung festgelegt - ohne versteckte islamistische Agenda. Allerdings müssten die Gülen-Anhänger den Frauen mehr Sichtbarkeit in der Bewegung geben.    


 „Es gibt noch einige Herausforderungen, die die Bewegung überwinden muss“, erklärt Helen Rose Ebaugh im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Eine der wichtigsten sei die Rolle der Frauen. Vor allem in Houston, wo sie an der Universität lehrt, habe die Professorin für Religionssoziologie und Erforschung der Weltreligionen sofort gesehen, dass hier Frauen keine große Rolle spielten, sie hätten höchstens im Hintergrund agiert.
Sie vermutet, dass das beispielsweise an mangelnden Sprachkenntnissen liegt, denn in Ländern wie Belgien oder Deutschland habe sie das Gegenteil gesehen. Viele erfolgreiche ambitionierte Frauen seien hier Teil der Bewegung. Auch bei den deutschen Gülen-Vereinen gibt es bereits den einen oder anderen, bei dem Frauen auch öffentlich tätig sind. Allerdings, so bestätigen Mitglieder der Bewegung, sei die Mitwirkung von Frauen an prominenter Stelle tatsächlich noch eines der Defizite, das die Bewegung überwinden müsse.
Die Gülen-Bewegung ist umstritten. Sie ist nach dem islamischen Gelehrten Fethullah Gülen benannt, der in seinen Schriften einen Islam der Toleranz und des Dialogs propagiert (Gülen in einem der seltenen Interviews – hier). Bildung, Wissenschaft und Demokratie sind nach Gülens Einschätzung gut mit dem Leben der Muslime vereinbar.
Gülens Kritiker sind dagegen der Ansicht, Gülen versuche mit einem heimlich errichteten „Imperium“ den türkischen Staat zu unterwandern und nutze die Demokratie nur als Trittbrett. Die Gülen-Gegner, die vor allem aus den alten kemalistischen Eliten der Türkei stammen, behaupten, dass Gülen plane, auf dem Boden der Türkei einen islamistischen Gottesstaat zu errichten.
Fünf Jahre lang hat Ebaugh zur Gülen-Bewegung geforscht. Sie gilt als die beste, unabhängige Kennerin der Bewegung. Ihr Buch „Die Gülen Bewegung – Eine empirische Studie“ ist nun auch auf Deutsch erschienen. Ebaugh erzählt, dass sie sich zu Beginn ihrer Studie vor allem gefragt habe: „Woher nehmen diese Leute das ganze Geld?“ Ihre Untersuchungen hätten ergeben, „dass es keine dunklen Kanäle gibt“. Ebaugh: „Es ist in der Tat so, dass alles von Spenden der Mitglieder und von Unterstützern kommt.“ Praktisch jeder Anhänger der Bewegung spende Geld, das dann den Projekten zugutekommt. Die meisten Anhänger sagten ihr, dass sie im Durchschnitt 10 Prozent des Jahreseinkommens spendeten. Zudem seien viele wohlhabende Geschäftsleute bereit, sogar auch mehr als 20 Prozent zu spenden.


In ihren soziologischen Studien stützt sie sich auf zahlreiche Einzel- und Gruppengespräche mit Unternehmern, Angestellten und Arbeitern aus der Türkei und Houston, Texas. Dort blüht die Bewegung besonders auf: 26 Gülen-inspirierter Schulen wurden in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampft. In den Vereinigten Staaten gibt es mittlerweile 65 sogenannte „Harmony“-Schulen (im Irak eröffnete kürzlich eine der Bewegung nahestehende Schule – mehr hier). Die Schulen sind – wie überall auf der Welt – auch für Nicht-Muslime sehr begehrt, denn sie bieten, wie Ebaugh bestätigt, „Top-Unterrichts-Qualität vor allem in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften“.
„Die Stärke der Bewegung liegt daran, dass sie nicht hierarchisch ausgelegt ist, sondern aus losen Netzwerken besteht“, so Ebaugh. Durch die lokale Unabhängigkeit werde die Bewegung auch Fethullah Gülen selbst überleben, glaubt sie. Doch außer dieser Tatsache und, dass die Bewegung türkische Wurzeln habe und dem Islam entspringe, unterscheide sie sich nicht von anderen religiösen Bewegungen, die sich auch dem „Dienst am Menschen“ verschrieben haben. Daher glaubt Ebaugh, dass die Bewegung auch in Zukunft „vor allem in türkischen Milieus stark sein wird“.
Helen Rose Ebaugh war erstmals nach den Ereignissen vom 11. September 2001 durch ein Inserat in der Washington Post auf Gülen aufmerksam geworden. In dem Inserat hatte Gülen als erster muslimischer Repräsentant die Anschläge auf das World Trade Center in scharfen Worten verurteilt. Ebaugh erinnert sich noch an die „regelrechte Hetzjagd auf Muslime nach dem 11. September“: „Jeder war prinzipiell verdächtig, viele trauten sich kaum mehr aus dem Haus.“ Daher war es nur folgerichtig, dass im Westen die Suche nach einer „moderaten islamischen Bewegung“ begann. In diesem Zusammenhang begann sich die amerikanische Öffentlichkeit für den bis dahin eher unbekannten Prediger aus der Türkei zu interessieren.
Ebaugh kennt die Vorwürfe, die Gülens Gegner gegen die Bewegung vortragen. So habe auch „prinzipiell Verständnis für die Ängste“. Allerdings: „Wir haben mit zahlreichen Gülen-Kritikern in der Türkei gesprochen. Ich habe zu allen gesagt: Geben Sie mir Daten, geben Sie mir Fakten. Ich habe nichts bekommen.“ Etliche der Kritiker hätten sogar eingeräumt, dass sie gar niemand aus der Bewegung kennen.
Auch den Verdacht, die Gülen-Leute unterwanderten systematisch die AKP, sei nicht durch harte Fakten belegt. Ebaugh: „Bei einer solch großen Bewegung ist es nur normal, dass es auch Mitglieder gibt, die in der AKP eine Rolle spielen. Eine systematische, gar strategische Unterwanderung kann ich nicht erkennen.“


Soziologin: „Gülen-Bewegung muss Rolle der Frau neu definieren“ | DEUTSCH TÜRKISCHE NACHRICHTEN

Freitag, 2. März 2012

IDIZEM e.V. lädt ein: Die Gülen-Bewegung


Buchvorstellung und Diskussion mit Prof. Dr. Helen Rose Ebaugh
(University of Houston)


Die Religionssoziologin und Professorin für die Erforschung der Weltreligionen, Helen Rose Ebaugh, beschreibt in ihrer empirisch angelegten Studie anhand von Interviews und Besuchen vor Ort die Gülen-Bewegung aus soziologischer Perspektive. Diese, so ihr Ergebnis, ist eine zivilgesellschaftliche Bewegung, die im gemäßigten Islam verwurzelt ist. Sie hat sich weltweit ausgebreitet, da in vielen Gesellschaften Integration durch Bildung und die Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs von großer Bedeutung sind. Die Anhänger Gülens engagieren sich im Bildungsbereich, in dem sie Schulen und Nachhilfezentren gründen. Mit zahlreichen Dialogvereinen bemühen sie sich um Integration und Dialog. Eine große Tageszeitung sowie Fernsehsender und Zeitschriften fühlen sich den Werten verbunden, die Gülen unterstreicht. Die Vielzahl der Institutionen, die von den Ehrenamtlichen der ''Hizmet''-Bewegung gegründet wurden, stößt auch in Deutschland auf großes Interesse. Kritiker werfen der Bewegung jedoch vor, eine unterschwellige islamistische Agenda zu vertreten.

- Wer ist Fethullah Gülen und was beabsichtigt die sogenannte Hizmet-Bewegung? 
- Was sind ihre finanziellen Grundlagen? Wie konnte sie sich weltweit so schnell verbreiten?
- Was motiviert die einzelnen Freiwilligen zum Engagement?

Sowohl Wolfgang Günter Lerch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als auch Matthias Daum von der Neuen Zürcher Zeitung stellten dieses Buch bereits vor. 

Helen Rose Ebaugh ist Professorin für Religionssoziologie und Erforschung der Weltreligionen an der University of Houston. Sie veröffentlicht in diesem Buch die Ergebnisse einer fünfjährigen Forschungsarbeit.

In Kooperation mit: Amerika Haus München


Titel: Die Gülen-Bewegung - Eine empirische Studie
Referentin: Prof. Dr. Helen Rose Ebaugh (University of Houston)
Datum: Samstag, 24. März 2012, 19.00 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)
Eine Simultanübersetzung wird angeboten.


Ihre Anmeldung (obligatorisch) richten Sie bitte an info@idizem.de


Das Buch ist im Herder Verlag erschienen und ist ab sofort erhältlich.

Verlag Herder
Format: 13,5 x 21,5 cm, ca. 220 Seiten, Kartoniert

ISBN 978-3-451-30604-4
€[D] 9,95

Samstag, 25. Februar 2012

Was wir machen: Vorträge und Diskussionen


Für ein breiteres Publikum organisieren wir Themenabende, zu denen wir vor allem Journalisten einladen, die sich mit Migration befassen. Welche Rolle können Medien beim Thema Integration spielen? Welche Rolle spielen sie tatsächlich? Warum erkennen sich viele Migranten, die sich als Deutsche begreifen, in den deutschen Medien nur mit Mühe wieder?
Die IDIZEM Medienplattform ist ein Versuch, Journalisten mit ihren Lesern zusammenzubringen, damit die Schreibenden ungefiltertes Feedback bekommen, während das Publikum die Möglichkeit erhält, seine
Fragen direkt an die Autoren zu stellen. So wollen wir unseren Beitrag zu einer lebendigen, vielfältigen und
verantwortungsbewussten Berichterstattung leisten.

Die Bedeutung der Verständigung

„Düpedüz ırkçılık “ („Reiner Rassismus“) titelte im Sommer 2007 ein auch in Deutschland erscheinendes türkisches Boulevardblatt, als die Bundesregierung beschloss, dass türkische Ehepartner vor der Einreise einen Deutschkurs belegen müssen. Bei aller Medienvielfalt in Deutschland ist eine solche Schlagzeile in einer großen deutschen Tageszeitung unvorstellbar. Wie funktioniert ein verantwortungsvoller Journalismus? Welche Rolle spielt die Trennung von Nachricht und Meinung? Welche integrationspolitischen Themen beherrschen zurzeit die Schlagzeilen?
Wir laden führende internationale Journalisten nach München ein, um direkten Kontakt mit den deutschen
Kollegen und der Leserschaft zu ermöglichen.